Thomas C. Guggenheim, Verleger und Autor

Ursula von Wiese

Ursula von Wiese

Ein Porträt zu ihrem hundertsten Geburtstag

Ursula von Wiese, bekannt als Schriftstellerin und Übersetzerin würde am 21. April 2005 hundert Jahre alt.

Ursula von Wiese wurde geboren am 21. April 1905 in Berlin als Tochter von Leopold von Wiese und Kaiserswaldau, Professor für Soziologie (er begründete die Beziehungs- und Gebildelehre), und der Malerin Johanna von Gersdorff. Ihr älterer Bruder Benno von Wiese war der bekannte Professor für Germanistik. Sie verlebte ihre Kindheit in Hannover, Düsseldorf, Köln sowie bei ihrer Grossmutter in Münster am Stein und war drei Jahre lang Zögling im Kloster von Heiligengrabe. Sie schwankte zwischen dem Wunsch, Medizin zu studieren, und dem Verlangen, Theater zu spielen. Sie ging tatsächlich zum Theater, wirkte in vielen Nebenrollen und im Ballett, und sehr bald wurde ihr komisches Talent entdeckt.

Im Jahre 1930 lernte Ursula von Wiese in Ascona den Schweizer Schriftsteller und Dramatiker Werner Johannes Guggenheim kennen. Statt ihr eine „Nummer" zu schreiben und es ihr dadurch zu ermöglichen, der erste weibliche Zirkusclown zu werden, heiratete er sie. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Thomas (1932), die Zwillinge Daniela und Manuela (1934) sowie Cordelia (1935). Die letztgenannte wurde später bekannt als eine der ersten Ansagerinnen des Schweizer Fernsehens; sie starb in jungen Jahren an den Folgen eines Autounfalls.

Ursula von Wiese erlebte die kurze Zeit der „Schweizer Volksbühne". 1939 sah sie sich wegen der finanziellen Notlage ihrer Familie veranlasst, beruflich aktiv zu werden. Sie arbeitete als Redaktorin, Lektorin und Übersetzerin. Sie übersetzte mehr als dreihundert Werke aus dem Amerikanischen, Englischen und Skandinavischen ins Deutsche.

Am 25. Mai 1946 erlag Werner Johannes Guggenheim einem Herzinfarkt. Ursula von Wiese war auf sich allein gestellt. Mit ihrem kargen Einkommen sorgte sie für ihre vier Kinder und ihre Mutter, die für die ganze Familie haushaltete.

Ursula von Wiese begann schon früh zu schreiben. Den Plan eines grossen Romans gab sie jedoch bald einmal auf und wandte sich der kleinen Form, Kurzgeschichten, Glossen, Märchen, Jugendbücher, Krimis, Kochbücher und dergleichen zu. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie Auszeichnungen von Kanton und Stadt Zürich, Pro Arte und der Steo Stiftung.

Ursula von Wiese lebte in Zürich. Die Sommermonate verbrachte sie vorwiegend auf ihrer geliebten spanischen Insel Ibiza. Bis kurz vor ihrem Tod war sie als Schriftstellerin und Schauspielerin tätig: 1994 erschien ihre Biographie „Vogel Phönix", eine spannende Lebensgeschichte, die fast ein Jahrhundert beschreibt. 1998 trat sie in einer Rolle in der Sitcom Serie „Fascht e Familie" auf.

Zehn Tage nach ihrem 97. Geburtstag, am 1. Mai 2002, schloss Ursula von Wiese im Krankenheim Käferberg, wo sie ihre letzten Tage verbrachte, für immer die Augen. Glücklicherweise musste sie es nicht mehr Miterleben, wie ihr Häuschen auf Ibiza zurzeit von Gaunern bedrängt wird.

10.04.2005, Thomas C. Guggenheim Klio-Verlag Bern