Thomas C. Guggenheim, Verleger und Autor

Fasnacht 2011_02

Fasnacht 2011 - Teil 2

14.
Jetzt kennt man endlich ihre Namen, packt man sie an den Ohren,
die geldgierigen Sünder, die ihr Vermögen bei Schweizerbanken verstecken wollen.
Doch, die Staatsanwälte glauben zu tun ihre Pflicht:
Nur wer Bankgeheimnisse ausplaudert, kommt zur Strafe vor Gericht.
Der Volksmund sagt zu diesem Trümmerhaufen:
Die Kleinen hängt man und die Grossen lässt man laufen!

15.
Die Schweizer Post geht unter die Geschäftlimacher: Weniger Leistung,
höhere Gebühren, wenig öffentliche Briefkästen, nur einmal im Tag eine Leerung.
Der CEO wird ausgewechselt,
das Publikum auch vom nächsten verseckelt.
Die Post habe ich schwer im Verdacht,
sie möchte auch spekulieren und Bonis verteilen, habt acht!

16.
Pudel-, Pinscher- und andere Halter von kleinen Hunden
müssen einen Kurs machen, auch wenn es als Idiotie empfunden.
Jedoch, die kleinen Biester könnten aggressiv sein und beissen.
Vorsorgliche Gefahrenabwendung tut dieser Quatsch heissen.
Ein ganz schlauer Beamter wollte es exakt wissen:
Nächstens packen wir auch den Rollmops, der scheint gerissen.

17.
Adrett sind die jungen Mädchen, Models und Schauspielerinnen.
Doch im Skifahren konnten sie dieses Jahr nicht viel gewinnen.
Hingegen haben sie fast täglich eine neue Frisur,
Verkleinern die Ärsche, vergrössern die Busen, als Korrektur der Figur.
Die Zeit scheint abgelaufen für Feministinnen.
Frauen und Mädchen mutieren zu Busensilikonistinnen.

18.
In Beize und Bare und vielne Tanzlokale, sogar ou a verschwiegene Orte
schmöckt’s nümme nach Rauch, wie es mir isch zuetreit worde.
Derfür isch erkennbar, wer sich nit gärn tuet wäsche.
So wyt hett niemer dänkt, me lat sich la überrasche.
Vieli Raucher, aber ou anderi Lüt halte Wasser und Seife als Verschleiss.
Drum megget’s i de Spunte hüt öfters nach Schweiss.
Kommt einer in die Wirtschaft und fragt: Darf ich beim Biertrinken rauchen?
Nein! Aber ich darf gewiss beim Rauchen ein Bierlein trinken?

19.
Die Schweizer Bevölkerung stirbt wegen Nachwuchsmangels langsam aus.
Ausländer sind nicht willkommen, die SVP schmeisst sie raus.
Man sollte den Schweizern den Gebrauch von Kondomen verbieten.
Dann gäb‘s wieder eigenen Nachwuchs, unbestritten.
Es ist möglich, dass die sich auf der Flucht befindlichen Savannenhuscher
bei uns landen. Kaum jemand wird wagen, zu sein ein Kuscher.

20.
Erhöhte Benzinpreise sollen uns zum Umsteigen zwingen,
weg vom geliebten Auto zum öffentlichen Verkehr bringen.
Autofriks wüssten doch sicher ein elektrifiziertes Trottinet zu benutzen.
Wenn’s regnet, haben sie Pech. Sie werden sich beschmutzen.
Die Sache hat einen Hacken: Hat meine Liebste mit mir Erbarmen?
Wird sie mich auch auf einem fahrenden Trottinet küssen und umarmen?

21.
Als „Wetterfrösche“ sind bekannt: Bucheli, Klaiber und einer namens Kachelmann,
von dem es heisst, dass er erfolgreich bürsten kann.
Welch ein Skandal! Viele Neider haben sich deshalb anerboten,
fürderhin das Wetter zu prophezeien und die Kachelmänner auszubooten.
Der Güggu scheint auch beflissen.
Denn der Volksmund will es ja wissen:
„Wenn der Güggu kräht auf dem Mist,
ändert das Wetter oder bleibt wie es ist!“
Und es gilt auch zu bekennen:
Ein Hahn beschläft in seinem Stall viele, viele Hennen.

22.
Der Regenwurm wurde zum „Tier des Jahres“ ernannt.
Weil man endlich seinen Nutzen erkannt.
Streut man Viagra in die Erde, mit seinen beiden Händen,
kann man die Regenwürmer als Nägel verwenden.
Wenn sogar der Berlusconi macht mit den Prostituierten Kladderadatsch,
sollt jedermann dürfen, zu machen seinen eigenen Quatsch.

23.
Wer einen sanften Verkehrstod sucht,
der flaniere auf der Spital- und auf der Marktgasse.
Ein Tram, Bus oder Trolley wird ihn erwischen mit aller Wucht.
Es bleibt keine Zeit, nicht mal für eine Grimasse.
Die Weiber lassen Männer nicht mehr über “Fussgänger-Streifen“ laufen.
Sie liessen die „Zebra-Streifen“ „Fussgängerinnen-Streifen“ taufen.
24.
Und wenn du de gärn blaui Mose hesch, so sig kei Memme,
la du di vo einer Tür vo de quitschende Wagons vo Bern-Mobil la ichlemme.
Und wenn du einen Sturz auf Bsetzistein willst riskieren,
dann kannst du dies mit den Vehikeln von Bern–Mobil ausprobieren.
Was hat das blaue Bähnli gemeinsam mit Bébés und Teenis, die heischen?
Alle können sie herzerweichend kreischen.

25.
Willst du loswerden deinen, in die bösen Jahre gekommenen Hausdrachen?
Dann lade sie ein, gemeinsam in Pakistan oder Afghanistan Ferien zu machen.
Dort melde sie der Polizei als gefährlich und sie kommt auf die Liste.
Sie darf das Land nie mehr verlassen und gilt offiziell als Vermisste.
Und die Moral von der Geschicht?
Traue nicht nur einem Terroristen nicht!

26.
Fischen war eine Männerdomäne. Doch es kam nicht so, wie wir es wollten.
Die Damen haben mit Ruten und Angeln uns unsere Freiheit neidisch vergolten.
Nichts hält sie zuhause, putzen, kochen oder Kinder hüten. Ach, diese Frauen!
Nichts hindert sie, uns die schönsten Fischgewässer zu klauen.
Fragt eine Frau am Strand einen Angler: „Beissen die Fische?“
Antwortet der Angler: „Nein, Sie dürfen sie ruhig streicheln, es sind ganz frische.“

27.
Wir klopften uns auf den Rücken. Waren stolz auf unsere Mädchen und Buben,
die Sporttrophäen erhielten und nach Hause trugen.
Zurzeit sind wir bescheiden und beglückwünschen jeden herzhaft,
der es in der Rangliste unter die ersten Zwanzig schafft.
Roger, Simi, Dario, oder ein anderer, wer isch der bescht?
Dänk dä, wo my zuerst iladet zu äneme grosse Fescht!

Güggu, a der Bärner Fasnacht, 10. – 12.03.2011
Alle Verse auf: www.klio.ch